Ah, Phuket – eine Insel, die den beneidenswerten Charme besitzt, sowohl ein Urlaubsparadies als auch die Kulisse für die allseits geliebte Disziplin des öffentlichen Necken und Nörgelns zu sein. Es ist wieder einmal soweit, dass sich auf diesem Stückchen Erde ein Rudel von Alpha-Promis in der wilhelminischen Tradition des Realitywettkampfes tummelt. Die Gladiatoren von heute nennen sich „RealityAllstars 2026“, und wen überrascht das schon? Dass der gleiche Sand, der einst vielleicht Krabben und Möwen ein sonniges Zuhause bot, jetzt als Bühne für unsere kollektiven Projektionen gesellschaftlichen Prestiges herhält.
Der Begriff „RealityAllstars“ ist an sich schon eine tragikomische Farce. Weil wenn wir mal ehrlich sind: Stars? Das ist nur so lange wahr, wie Menschen gerne zusehen, wie andere Menschen sich in Mikrokosmen des banalen Alltags verlieren. Diese Form der Selbstdarstellung ist vielleicht das größte, unbemerkte Theater der Neuzeit. Der Kampf hier entscheidet über Ehre, Ruhm und – man glaubt es kaum – 50.000 Euro. Ein Betrag, bei dem sich ein Durchschnittsverdiener höchstens die Pantoffeln austauschen kann.
Apropos Pantoffeln: Vielleicht ist das ja das Problem unserer Zeit – der Pantoffelheld als Archetyp in der Arena. Mit etwas Geschick erfüllt man heute mit leisem, ursupatorischem Stolz die Rolle des Helden, indem man einen Cocktail mehr trinkt als nötig und zur richtigen Zeit den erförderlichen Schrei der gespielten Empörung von sich gibt. Wir verlangen nichts weniger als die wahrhaftigste Performance ihrer glitzernden, doch so flüchtigen Existenzen.
Natürlich ist kein Spektakel ohne Schiedsrichter, in diesem Fall die hohlen Regeln der Realityshow. Diese sind vermutlich so flexibel wie ein alter Gummizug in Opas Unterhose – einen künstlichen Spannungsbogen bastelt man inzwischen mit dem Algorithmus der Tabelle Excel. Wer liebt es nicht, wenn plötzlich neue Wendungen und „überraschende“ Regeländerungen uns aus der Soap-Opera-Lethargie reißen? Änder deine Erwartungshaltung, und dir wird vergeben.
Wenn dann der Vorhang fällig ist und die absurd gespielte Dramatik ans Licht dringt, bleibt nichts weiter als der verwaiste Frust aller Beteiligten. Oder, wie ich es nennen würde, die unverblümte Anbetung des Mottos: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“ Die Realität ist da unbemerkt schon wieder ein Dorn im Auge – genauso wie das Licht, das man beim nächtlichen Gang zum Bad vergisst auszumachen.
Und was bleibt uns zu sagen? Eigentlich gar nichts. Genau dort liegt der Reiz – im Nichts. Denn während wir die Schau genießen, geraten Lebenswirklichkeiten ins Hintertreffen. Statt den frischen Wind des vitalen Lebens zu schnuppern, ziehen Millionen den modrigen Mief eingeölter Selbstüberhöhung vor. Es ist eben unglaublich effizient, sich hintersolche Geschichten zu klemmen, denn irgendwo tief in uns ruhte ja schon immer ein unerledigtes Bedürfnis nach dem Glanz der Anderen.
Aber vielleicht ist das alles ja nur Alybibaba und die vierzig Bankräuber, mit einer Prise Meeresbrise? Oder anders gesagt, der anhaltende Versuch, unseren eigenen Alltag als so spannend zu erleben wie die Luxusprobleme dieser „Allstars“.
In diesem Sinne: mögen die Spiele beginnen! Oder auch nicht. Schließlich bleibt der wahre Sieger der, der nicht zuschaut und am Ende immer noch einen Horizont vor sich sieht, der sich ohne das Klicken des Fernbedienungsknopfes eröffnet.