Ach, wo fängt man überhaupt an bei solch einem modernen Märchen aus Instagram- und Reality-TV-Land, bei dem es schwer ist zu entscheiden, ob man neugierig staunen oder heiter verzweifeln soll? Natürlich, die Malediven. Der Ort, an dem das Wasser glasig blau ist und die Schmetterlinge anscheinend bereitwillig die Form von Handtuch-Schwänen annehmen, nur um die wahre Bedeutung von ‚Luxus‘ zu unterstreichen. Es ist der Schauplatz für den großen Moment des Ex-Bachelors Andrej Mangold, der seinen „Traum-JA!“ in den Sand graben lässt. Jetzt wissen wir: Sonnenschirme, Sand und das Plätschern der Wellen sind nicht nur romantische Klischees – sie sind Vertragsbedingungen für Heiratsanträge in der Influencer-Sphäre.
Es geht ja um diesen wundersamen Übergang von der Schwärmerei in die Ewigkeit, vermittelt durch das ästhetische Medium des Social-Media-Filtrums. Weil wer mag schon die Rustikalität eines einfachen „Kannst Du mir vielleicht helfen, den Abfluss zu entstopfen?“ Keine Handtuch-Schwäne, keine Kamera-Crews, fragwürdiger Wert. Und während der gemeine Mensch noch überlegt, wo er das Brot des Lebens herkriegt, stapfen unsere Helden – etwas wie Figuren aus einer Seifenoper mit oberen Mittelklasseproblemen – durch die Inselidylle, ihre Zettel mit „wichtigen Worten“ fest umklammert.
Aber hier regiert die Liebe, erzählen sie uns. Die Kamera zoomt auf das glückliche Paar, Tränen werden legendär beschrieben – vermutlich durch den endlosen Ozean von Aktualisierungen, Likes und Kommentaren, die diese Momente weiterhin kaskadieren lassen. Es sind die Tränen, die nur ein Promi-erprobtes Paar vermehren kann, so als wären es Währung in der Welt der blau-geprüften Häkchen und Werbedeals. Eine Komödie von Verwirrungen, bei der die Spontaneität so sorgfältig inszeniert ist wie eine Hollywood-Blockbuster-Premiere.
Und wenn wir uns ganz sicher sind, dass diese Szenerie für sich selbst sprechen sollte, greifen wir noch zu einem alten Klassiker – Mama! Oh, die Mutter, die in den höchsten Lobgesängen von Anni, der Auserwählten, spricht. Welcher Sohn lässt diesen Segen schon ungenutzt, besonders, wenn man bedenkt, dass er einmal „zu den Sternen des Reality-TV“ gehörte? Es scheint, eine segensreiche elterliche Zustimmung lädt die romantische Beziehung mit jener zusätzlichen Portion Schicksal auf, die es braucht, um schließlich zur „Lebensentscheidung“ zu führen – auch bekannt als Staffel-Finale.
Hier stehen wir nun in einer Zeit, in der man sagen könnte: „Bis dass das nächste Update uns scheidet.“ Was wäre das für eine tragische Komödie, wenn nicht doch dieses bekannte Auf und Ab der Beziehungen der Schönen und Schöneren mit eingebaut wäre? Einmal getrennt, zweimal gefunden – das ist wahre moderne Liebe in Zeiten von Cross-Promotion. Wenn Instagram, TV-Kameras und Sponsoring dabei sind, bräuchten wir tatsächlich weder Priester noch Stammbuch.
Als Krone dieser Multimedia-Liebesgeschichte bleibt uns nur festzustellen: Es gibt nichts Besseres als ein gutes Drama, um sowohl Follower als auch die Talkshow-Gäste zu unterhalten, während der nächste Auftritt vielleicht schon auf der privaten Insel vorbereitet wird – oder ist es die nächste Staffel eines abgedroschenen Formates? Klar ist, dass diese Geschichten dazu führen, dass die Realität und Fiktion miteinander tanzen, oft so eng verwoben wie das Lächeln von Anni und Andrej auf den Selfies im Sonnenuntergang.
Aber am Ende bleibt uns diese ernüchternde Erkenntnis: Die Sonne geht auch auf den Malediven irgendwann unter – und vielleicht wird ja in der digitalen Inszenierung noch jemand feststellen, dass Magie und gewöhnlicher Alltag sich gelegentlich so herrlich in den Weg kommen. Manchmal sogar ohne die richtigen Emoticons.
Nun, bleibt nur zu hoffen, dass der nächste Schritt im Leben dieses Paares auch von den Klempnerfähigkeiten des normalen Alltags getragen wird. Die perfekte Love-Story hat schließlich immer Raum für Überraschungen – und Toiletten, die verstopft bleiben.