Ach ja, Bushido, der selbsternannte sina qua Bushido der deutschen Rap-Szene, verabschiedet sich nun also von der Bühne. Wieder einmal. Wie viele Abschiede braucht ein Rapper, um wirklich zu gehen? Vielleicht liegt die Antwort irgendwo zwischen der Anzahl von Tourneen und den Instastorys seiner Frau, die fröhlich Fan-Merch verkauft – als wäre das Ende einer Karriere der größte Schlussverkauf des Jahres.
Der große Spannungsbogen dieser Abschiedstour scheint nicht musikalisch, sondern familiär zu sein. Wie ein Rapper à la Tupperware verkündet Bushido stolz die Anwesenheit seiner Frau und Kinder. Man stelle sich das mal bei Ludwig van Beethoven vor: „Mein Sohn ist heute Abend hier und verkauft Flötenreiniger zwischen den Sinfonien.“ Wobei wir bei Familienaufstellungen sind – es ist wie beim Klassenfoto: Irgendwer hält immer die Augen zu, und alle fragen sich, warum der Onkel vom letzten Jahr plötzlich nicht mehr dabei ist.
Bushido möchte also seinem Publikum den Vorhang zeigen. Aber welche Rolle spielen dabei seine Kinder? Sind sie die Erben dieses schillernden Imperiums oder einfach nur Statisten, die einmal auf der Bühne stehen dürfen, damit Papa cool aussieht? Es hat etwas seltsam Rührendes, wie der Rapper anerkennt, dass der wahre Respekt der Nachkommen der wahre Ritterschlag ist. Es ist, als würde man sagen: „Ihr habt all diese Texte auswendig gelernt, aber wirklich wichtig ist, was mein jüngster Spross über meinen Flow denkt.“ Ein bisschen wie Kaugummi: Bedeutet es zu kauen, dass man den Geschmack wirklich genießt, oder macht man es nur, weil man es kann?
Interessant ist auch, wie oft Bushidos Abschied seine Rückkehr beinhaltet. Ob das der Vorspann für eine Karriere als Politikanalyst ist? Im Sinne von: „Ja, dieser Vertrag ist mein letzter, aber Moment, da ist noch eine Kamera, die nach Aufmerksamkeit schreit!“ Plötzlich ergeben all die finalen Tourneen Sinn: Sie sind wie politische Manöver, die mit großem Tamtam verkündet werden, um dann siegesgewiss weiterzugehen.
Dann kommt Bushidos Wiederbelebung des alten Glanzes: älteren Songs, die den Weg zurück zur Nostalgie bahnen. Da könnte man annehmen, dass Bushido heimlich von George Lucas inspiriert ist, Pioniere der Wiederholung, Meister des Prequels. Auch hier lockt die Vergangenheit mit einem Augenzwinkern, das so charmant ist, dass man fast vergisst, dass man diesen Trick schon einmal gesehen hat. Ein bisschen wie bei alten Telefonverträgen, die man nicht kündigt, weil man vielleicht noch gebraucht werden könnte.
Am Ende steht die Frage: Ist dieser letzte Auftritt in Berlin wirklich das Herzstück einer überlangen, dramatischen Seifenoper? Die echte, bewegende Story ist doch: Bushido, der durch die Unbillen der letzten Jahre navigiert, während seine Familie wie ein rettendes Ufer am Horizont glänzt. Aber selbst der schönste Sonnenuntergang könnte kaum darüber hinwegtäuschen, dass das letzte Kapitel bereits geschrieben ist. Am Ende bleibt Bushido wie eine Katze auf der Schwelle, während er darauf wartet, dass die Motivation zur Veränderung anklopft.
Vielleicht ist es aber auch einfach die große Kunst: zu sagen, dass man Abschied nimmt – um dann festzustellen, dass Schluss einfach nicht das Ende sein kann. Es sei denn, man möchte noch ein bisschen bleiben. Aber auch das hat er nicht exklusiv, denn wie wir aus bester Trash-TV-Manier wissen: Man sollte niemals wirklich gehen, wenn man noch mal eingeladen werden könnte.