Ach, was wäre der deutsche Medienzirkus nur ohne die vielseitigen Talente unserer Prominenten? Da haben wir sie also, Natascha Ochsenknecht – ein Name, der geradezu nach literarischer Relevanz schreit. Als hätte Dostojewski selbst begonnen, eine Fortsetzung zu „Schuld und Sühne“ zu schreiben, nur um festzustellen, dass die wahren emotionalen Abgründe nicht in seinen russischen Romanfiguren liegen, sondern in der gefühlvollen Welt von „Promi Big Brother“.
Nun stehen wir also vor der jüngsten Enthüllung: Natascha zeigt sich verletzlich! Welch Überraschung! In einer Welt, in der jede Reality-TV-Sendung mehr auf Oberflächlichkeiten und Botox setzt als auf Tiefgang, stellt sich plötzlich heraus, dass auch Prominente Gefühle haben. Natascha, du emotionale Offenbarung, wie um alles in der Welt hast du dir das Herz aus der Brust geschnitten, um es so schamlos vor der BILD auszubreiten?
Aber ich schweife ab. Dramatische Familienbeziehungen, die eine ganze Nation in Atem halten können – Vorsicht, Spoiler: Auch in Promifamilien gibt es mal Streit. Der emanzipierte Sohn Jimi Blue hat vorübergehend den Kontakt abgebrochen. Man könnte meinen, es wäre etwas Ungewöhnliches, dass ein junger Erwachsener ab und zu den Kontakt zu seinen Eltern sucht. Doch in der glamourösen Welt unserer nationalen VIPs ist so etwas nicht nur herzzerreißend, sondern auch titelbildwürdig.
Vergessen wir dabei nicht, dass es mindestens sieben Kunstausstellungen, fünf Theaterskandale und eine halbe Bundestagsdebatte brauchen würde, um auch nur an den Randspalten der Aufmerksamkeit zu kratzen, die dieses Interview generiert hat. Wäre es da nicht schön, wenn Gesellschaft und Kulturpolitik einen Hauch von dem Interesse bekämen, das wir jenen Halbgöttern der Selbstdarstellung schenken?
Familienratgeber aus der Promiwelt sind natürlich ein ganz eigenes Genre. Wie bei der obskuren Mischung aus Erkenntnis und Selbstvermarktung, bei der uns „Erfahrungsschätze“ berühmter Menschen verkauft werden. Da hat Natascha sicherlich ganz besonders wertvolle Tipps: „Wenn dein Kind den Kontakt abbricht, stell sicher, dass der nächste Medienauftritt gesichert ist.“ Diese Lebensweisheit ist vermutlich nur schwer in Worte zu fassen.
Ein Lob jedoch gebührt ihr: Natascha Ochsenknecht kämpft mutig gegen die erneute Sinnentleerung unserer Zeit. Bei so viel Emotionalität – ich meine, da heben sich Trennungen im Promikontext beinahe auf ein Dostojewskisches Niveau. Die Frage ist nur, ob die Nation bereit ist, diese Katharsis durch Abendtabloide zu erleben. Oder bleibt es doch eine Komödie der Eitelkeiten?
Und so sitzen wir – das Publikum – da mitsamt all unseren einfachen Freuden und verblüffenden Enthüllungen, inmitten dieses absurden Theaters des Medienzeitalters. Wir könnten ja fast meinen, dass der wahre Generationenkonflikt nicht zwischen Eltern und Kindern, sondern zwischen Promis und einer Welt des stillen Konsums tobt.
Doch wie enden in Kommentaren solcher Art? Ich denke, wir überlassen den letzten Applaus der vermeintlich großen Volksweisheit. Denn während sich draußen die Gesellschaft wandelt, gilt eine Regel unverändert: Ein mediales Bekenntnis ist nur so viel wert wie der nächste private Skandal, den es zu übertönen gibt. Auf Wiedersehen, Zirkus, bis zur nächsten Vorstellung!