Willkommen im Zeitalter der unbegrenzten Möglichkeiten—oder war es der unbegrenzten Ablenkungen? Ich bin mir nicht so sicher. Diese Woche bietet Amazon Prime wieder eine neue Ladung an Filmen und Serien, die uns dabei helfen sollen, das, was von unserer Restaufmerksamkeit noch übrig ist, endgültig in den Müllschlucker der Streamingwelt zu werfen. Es ist ein bisschen so, als wäre man in einem All-You-Can-Eat-Buffet aus celluloider Kunst, nur dass man spätestens beim dritten Nachschlag den Geschmackssinn verliert.
Und was läge näher, als dass die BILD, das Blatt unseres Vertrauens, uns in diesem Dschungel den Weg weist? Sie ist der Kompass für all jene, die sich nicht zwischen „Titanic“ und „Transformers“ entscheiden können. Man munkelt, die BILD-Redakteure würden in einer einsamen Hütte im Wald zusammensitzen und aus dem Kaffeesatz ihrer schalen Instant-Kaffees die Tipps für die Woche lesen. Und siehe da: An oberster Stelle thront ein düsteres Kriegsdrama namens „Der Tiger“. Da weiß man, was man hat: deutsche Gründlichkeit trifft auf moralische Ambivalenz.
Apropos Ambivalenz—die Verwirrung ist das neue Schwarz der Unterhaltungsindustrie. Wir scrollen, klicken und zappen, jagen dem nächsten „Trending Now“ nach, als suchten wir das Orakel von Delphi. Doch am Ende des Tages ist alles genau das, was es scheint: noch mehr Inhalt, der uns füllt, während er uns gleichzeitig leert.
Währenddessen spielt sich auf der Metaebene etwas ganz anderes ab: unsere Zustimmung zu den unzähligen Datenschutzbestimmungen. Ein modernes Märchen mit der moralischen Botschaft: „Verkaufen Sie Ihre Seele—aber fühlen Sie sich gut dabei.“ Immerhin, den Begriff „Drittländer“ hat zumindest jemand in der DSGVO bewusst vage gehalten. Da wartet man nur darauf, dass der Begriff irgendwann eigenständig bei den neuen „Ghosts“-Staffeln auf Amazon auftaucht. Staffel 4 ist raus—ich habe die ersten drei auch nicht gesehen.
Doch nicht alles ist Verwirrung und Datenschutz. Es gibt auch Hoffnung. Zum Beispiel in Form von Preisnachlässen, die Konsumethik und Sparsamkeit gebetsmühlenartig vereinen. BILD und Amazon Prime bieten uns 7,99 Euro Ersparnis, wenn wir ihre Weltsicht und ihr Sortiment fusionieren. Man fragt sich, ob der nächste Schritt eine Amazon-Drohne ist, die uns das Abo direkt ins Wohnzimmer liefert. Oder ob Alexa irgendwann als BILD-Chefredakteurin fungiert—inhaltlich wäre das kaum ein Unterschied.
Etwas Tröstliches gibt es da dann doch: Während die deutschen Panzerschauspieler den „Tiger“ steuern und „Datenschutz“ zum Unwort des Jahres ernannt wird, können wir sicher sein, dass irgendwo in diesem Sammelsurium von Bits und bytes immer ein Film läuft, der den Titel „Er ist wieder da“ trägt. Ein Film, der in seiner Existenzlässigkeit von einem Jahr ins nächste wandert und uns daran erinnert, dass selbst in der endlosen Content-Wüste manchmal ein Kaktus blüht.
Und ob wir uns für „Yes or No Games“ begeistern können oder es mit einem kollektiven „Nein, danke“ quittieren—fest steht: Das wirklich spannende Drama spielt sich hier bei uns ab, zwischen den Ohren und Netflix-Listen. Fernsehen ist schließlich die Kunst, mit fünf Minuten Langeweile einen ganzen Tagesplan zu füllen. Wer weiß schon, vielleicht führt uns diese Flut an neuen alten Serien dazu, zur Abwechslung mal ein Buch zu lesen. Es sei denn, es hat keine Spoiler.
Und während wir weiterzappen, bleibt doch die größte Frage: Sind wir Jäger des verlorenen Arcs oder Opfer der Authentifizierungs-Schleife? Aber hey, wenigstens sind die Popcornpreise gesunken.
