Der Flughafen, jener magische Ort, an dem Träume abheben und Wirklichkeit abstürzt. Hier, zwischen Duty-Free und der Schlangenbeschwörung am Sicherheitscheck, entfaltet sich die dramatische Oper der Moderne: Simone Ballack, soeben dem Pantheon der E- bis Z-Prominenz entstiegen, bereitet sich vor auf ihre Dschungelcamp-Odyssee. Und wir dürfen live dabei sein, zumindest solange unsere BILDplus-Mitgliedschaft noch nicht abgelaufen ist. Welch eine Tragikomödie der Gegenwart – und das alles mit ein bisschen Flugangst gewürzt. Sollte man diese Krankenkasse nicht „Luftgefahr“ nennen?
In einer Welt, in der Koffer mehr fliegen als die Träumenden selbst, ist es ein kleiner Trost, dass selbst Prominente wie Simone den Druck des Kabinenpersonal-Lächelns nicht ewig standhalten können. Doch wie beruhigend ist es, dass die BILD wie ein Rettungsfallschirm fungiert. So wussten wir bereits vor Abflug über jede zitternde Hand und jedes flatterige Nervenbündel Bescheid. Welch beruhigende Gewissheit, dass selbst die Tragik einer Flugangst zur Schlagzeile synthesiert werden kann.
Und was wäre eine zünftige Dschungelcamp-Berichterstattung ohne den obligatorischen Plottwist: Hubert Fella, der wie ein fränkischer Michelangelo eine Torte verputzt, als wäre er der Caravaggio der Flughafengebäcks. Ein heroischer Akt mit teigiger Nonchalance, der die Kunst des Wartens veredelt. Hat nicht schon Baudelaire gesagt, der Teufel sei ein ängstlicher Flieger mit einem Hang zum Nachtisch? Oder war es doch nur ein BILD-Redakteur im kreativen Übermut?
In der großen Arena, dem medialen Kolosseum unserer Zeit, ringt die Aufmerksamkeitsökonomie um jede Sekunde des Publikumsfokus. Ein müdes Lächeln weicht der Frage, ob der Wert der Information an sich gemessen wird oder an den Klickzahlen. Vieles spricht dafür, dass inzwischen die Abrufquote der neue Goldstandard der Wahrhaftigkeit ist. Ja, News-Ticker könnten ein neues Buch der Offenbarung werden, sofern sie denn genügend Update-Zyklen durchlaufen.
Man könnte annehmen, zwischen dem Aufsatz von Simone Ballacks Nervenkleid und dem Krümelsturzflug Huberts liegt eine tiefere Wahrheit über die menschliche Natur verborgen. Doch vielleicht sollten wir uns eingestehen, dass wir eher einen Spiegel der Eitelkeiten als der Weisheit vor Augen haben. Zeitgenössisches Savoir-vivre bedeutet schließlich, das Triviale zum Epischen erheben – und umgekehrt.
Nach all dem bleibt die Frage: Was ist der wirkliche Dschungel? Derjenige aus Schlamm und Lianen, der in tropischen Studios künstlich herangezüchtet wird, oder der urbane Dschungel aus Gerüchten, Halbwahrheiten und Paparazzi-Linsen? Vielleicht ist es auch der von uns selbst gesäte, aus Medienberichten gewucherte Morast unserer Wahrnehmung. Ein intellektueller Survival-Kurs der besonderen Art, bei dem am Ende gilt: „Ich habe überlebt, also bin ich.“
Aber schlussendlich, nach all den flachen und nicht ganz so flachen Enthüllungen, bleibt nur eine Konstante: Solange sich noch eine Welle Boulevard-Blattgold in den Köpfen unserer Alltags-Protagonisten bricht, bleibt das Leben eine bunte VHS-Kassette der Belanglosigkeiten. Und dieser Tape-Loop der Verdrösung dreht sich immer weiter – mit klarer Sicht auf den Horizont. Oder wie es so schön heißt: „Nach dem Dschungel ist vor dem Abflug.“
Denn während die Avatare des Promi-Alltags ohne Punkteverlust über das mediale Schachbrett rücken, müssen wir uns doch manchmal fragen, ob die wahre Spannung nicht in unserem eigenen Wartesaal liegt, mit einer Zeitung in der Hand und einem unklaren Gefühl der geistigen Flugangst im Rücken. Aber hey, Hauptsache die Torte war gut. Und Crispyness hebt dann wirklich jede Stimmung.