Ach ja, Hollywood. Dieser wunderbare Ort, an dem aus jeder Seekuh eine Meerjungfrau und aus jeder beruflichen Beziehung eine „Busenfreundschaft“ wird – Medienlogik sei Dank. Wenn Bild schon „exklusiv“ über die geradezu epochale Verbindung zwischen Amanda Seyfried und Sydney Sweeney berichtet, dann muss diese kolossale Meldung uns alle auf einen Schlag zu besseren Menschen machen. Oder wenigstens zu interessierten Konsumenten. Man fragt sich: Gibt es eigentlich auch eine Treueprämie für Herzschmerz?
Seyfried und Sweeney arbeiten also zusammen und mögen sich? Das ist ja eine Überraschung, denn wie wir alle wissen, sind Filmsets sonst Brutstätten von Streit und Missgunst, gepaart mit dem unwiderstehlichen Duft von Popcorn und Eitelkeit. Zugegeben, es könnte sein, dass der Draht zueinander tatsächlich so heiß glüht wie die sozialen Konventionen es vorschreiben. Aber auch das würde nur zu einer weiteren hyperventilierenden Headline führen: „Seyfried und Sweeney flirten – Kräftiger Hype im Praxistest!“
Wir sollten jedoch den wahren Helden dieser Geschichte nicht vergessen: die Romanvorlage. In ihrer gedruckten Stille spendet sie uns mehr Dramatik und Geheimnisse, als jede einstündige Episode zu fassen vermag. Ach Bücher, diese jammervoll unterschätzte Art, die Zeit totzuschlagen.
Doch lasst uns nicht in den Abgrund literarischer Traumata blicken und stattdessen der hell glänzenden Medaille Beachtung schenken: die „Busenfreundschaft“ – eine Verbindung, die so plastisch wie stilvoll klingt. Wäre das Grundgesetz mit einer Frauenzeitschrift überschrieben, es stände wohl auf Seite 3. Mindestens.
In einer medialen Welt, in der Oberflächen so wichtig sind wie Lebensinhalte, können vermutlich selbst gekaufte Wassernägel mehr als nur Umgangsformen kleben. Vielleicht gelingt es Seyfried und Sweeney, als neue Amazonen Hollywoods, unser Leben in tragbare Streaming-Frequenzen zu dissektieren, ganz im Sinne einer modernen Anekdotenwirtschaft.
Die Berichterstattung über Intimitäten zwischen Filmstars ist so alt wie der Medienzirkus selbst. Wir Verbraucher, hungrig nach Einblicken in fremde Leben, sind die stillschweigenden Dirigenten dieses digitalen Spektakels. Es ist, als versuchte man, die Aussicht vom Mount Everest auf einem VHS-Rekorder mit Standbild einzufangen.
Und was bleibt uns am Ende? Eine süße Illusion der Nähe zu den Reichen und Schönen. Der Gedanke, dass einsame Stunden weniger einsam sind, wenn zwei Menschen irgendwo in einer Scheinwelt lächeln. Für viele „BILDplus“-Abonnenten wohl ein Schnäppchen. Für die restliche Welt eine Erinnerung, dass Distanz den Herzschlag setzte.
Fassen wir zusammen: Die Busenfreundschaft dieser beiden Schauspielerinnen ist ein wichtiges Thema unserer Zeit. So wichtig, dass man sich fragt, ob es dem Weltfrieden zuträglicher wäre, wenn wir alle einfach mal gemeinsam einen Film drehen. Und wo wir schon bei Höherem sind: Kann man solche Freundschaft gegen Monatsgebühr abonnieren?
Aber am interessantesten bleibt doch die stillschweigende Erwartung von Rosamunde Pilcher-Lektüre in Serienform – und das bei „The Housemaid“! Schließlich wissen wir alle, dass reale Busenfreundschaften mehr Drama bereithalten als ein Thriller, der seine Versprechungen einhalten muss. Womöglich ist das eine der wenigen Produktionen, die man nicht so ernst nehmen sollte – ganz exklusiv, versteht sich.
