Ach ja, die Kennedys, Amerikas royale Familie, die fließend in Charisma und Tragödien schwelgt – so amerikanisch wie Apfelkuchen und Hollywood, nur mit mehr historischem Gepäck. Die neuste Episode dieses endlosen Familiendramas: Ein rührendes Familienfoto von der Enkelin des berühmtesten aller Kennedys, John F., kurz bevor die unerbittlichen Credits über ihren Lebensfilm rollen. Ein perfekter Instagram-Moment, wo das digitale Zeitalter die prachtvollen Archive der JFK-Library nahtlos trifft. Was für ein Gegensatz: So viel Geschichte auf der einen Seite und so flüchtig wie ein Swipe nach links auf der anderen.
Natürlich müssen wir über die mediale Inszenierung der Trauer sprechen. Wo wären wir schließlich ohne die sorgfältig kuratierte Trauer? Wer braucht schon persönliche Trauer, wenn man sie weltweit streamen kann: ein stummer Schrei der Digitalisierung. Trauer mit einem Hauch von Glamour, versteht sich. Und währenddessen darf die Welt liken, teilen und verarbeiten – Skandal, wenn ein Bild nicht perfekt in den Insta-Feed passt. Selbst im Angesicht des Unaussprechlichen bleibt die Fähigkeit zu einem umwerfenden Outfit ungebrochen.
In all dem steckt natürlich auch eine gewisse Doppelmoral. Wie oft haben wir von oben herab auf das Medienspektakel Europas geschaut, wenn die Royals eine Krone schief aufsetzten, und doch, hier stehen wir nun, mit einem Collective Red Carpet Event in Dauerschleife. Die mediale Welt ist eben eine Bühne, und wir sind alle die Dressurreiter-Ponys, die in einem digitalen Zirkus Kunststücke vollführen. Hauptsache, das Bild stimmt, die Stories fließen, und die Storyline der Familie bleibt faszinierend bis zur letzten Träne.
Aber Moment mal, es dreht sich hier ja nicht nur um die Inszenierung der Tragödie. Da ist ja auch noch dieser Hauch von Resignation und Akzeptanz, der fast anmutet als wäre er ein Geheimtipp aus einem Lebenshilfebuch. Ein trotziges Lachen ins Gesicht des Unvermeidlichen. Nach dem Motto: „Wenn dir das Leben Zitronen gibt, grinste breit und poste es online.“ Denn nichts sagt tapferer Lebenswille so sehr wie ein aufgesetztes Lächeln in der Öffentlichkeit.
Selbst Ironie findet man in den unerwartetsten Ecken, wie beim Anblick von Socken über Hosen in der Öffentlichkeit. Vielleicht war das das geheime modische Vermächtnis, das wir aus dieser Geschichte ziehen sollen – die Furchtlosigkeit, auch in modischer Hinsicht mutige Entscheidungen zu treffen. Denn wenn du genug Mut hast, deine Socken so zu tragen, was hält dich sonst noch zurück? Nicht die Krankheit, nicht die Gesellschaft, und schon gar nicht der Tod, der in einem Instagram-Post sowohl besiegt als auch verewigt wird.
Vielleicht sollten wir alle weniger Zeit damit verbringen zu liken und zu scrollen und mehr Zeit damit, tatsächlich zu leben, auch wenn es nicht in den Feed passt. Aber hey, was weiß ich schon? Wir sind doch alle Experten in Sachen Leben, sofern dieses in 280 Zeichen oder weniger passt.
Letztendlich bleibt uns nur die Frage: Ist es die öffentliche Aussicht auf unendliche Erinnerungen, die zählt, oder die persönlichen Momente, still und unvergänglich, die man mitnimmt? Vielleicht ist es die Erkenntnis, dass wir alle ein wenig Kennedyesk sind, gefangen in einem unaufhörlichen Spagat zwischen epischen Bildern und den alltäglichen Dramen des Lebens, bereit, so zu tun, als könnte ein Filtersatz den Schmerz und die Freude filtern.
Und die Pointe? Nun, am Ende des digitalen Tages zählen ja doch nur die Hashtags. Oder wie sage ich immer so schön: #SchwindelIchbinIhrTrainer.
